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Dienstag, 04. Dezember 2018

Grußworte zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland


Glückauf! 6/2018

THYSSEN SCHACHTBAU

THYSSEN SCHACHTBAU50 Jahre Partnerschaft

Wenn im Dezember 2018 der Deutsche Steinkohlenbergbau offiziell endet, ist dies nicht nur für die direkt betroffenen Mitarbeiter der RAG und die Regionen, in denen der Bergbau in den letzten Jahren noch umging, ein besonderes Datum, sondern auch für eine Vielzahl von Dienstleistern und Zulieferbetrieben.

So war THYSSEN SCHACHTBAU nicht nur für die Vorgängergesellschaften, aus denen die RAG hervorging, tätig, sondern von Anfang an auch für die RAG. In den 50 Jahren seit deren Gründung ist eine enge Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen entstanden. Neben hunderten Streckenkilometern, die in den Bergwerken der RAG durch THYSSEN SCHACHTBAU aufgefahren wurden, sind so auch zahlreiche Tages- und Blindschächte sowie Bunker geteuft und unzählige Explorationsbohrungen über und unter Tage erstellt worden. In besonderer Erinnerung bleiben eine Vielzahl an Projekten wie die Auffahrung der Verbindungsstrecke zwischen Lohberg und Hünxe mittels Vollschnittmaschine, das Teufen des Schachts Primsmulde mittels Schachtbohrmaschine als tiefstem Bohrschacht der Welt, das Tieferteufen des Nordschachts im Saarland auf 1.700 m, der Anschluss der 7. Sohle auf Auguste Victoria Schacht 8 mit seiner großen Schachtglocke und das Tieferteufen Prosper Schacht 10, um nur einige zu nennen. Bei den sehr anspruchsvollen Projekten wurde nicht selten Neuland betreten und die Grenze des technisch Machbaren weiter verschoben. Dies gelang uns nicht zuletzt, weil Auftraggeber und Auftragnehmer das gleiche Ziel verfolgten und sich aufeinander verlassen konnten – „bergmännische Tugenden“ eben.

Mit dem Kohlekompromiss von 1997 und dem Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 wurde für die RAG seitens der Politik die klare Vorgabe erteilt, den Bergbau auf Steinkohle in Deutschland bis Ende 2018 auslaufen zu lassen. Gemeinsam mit Belegschaft, Gewerkschaft und der Politik gelang es der RAG, diese Mammutaufgabe sozialverträglich zu lösen. Bedenkt man, dass die RAG vor zehn Jahren aus acht Bergwerken ca. 17 Mio. tv.F. mit rd. 30.000 Mitarbeitern förderte, ist dies eine großartige Leistung und wird sicherlich auch Maßstab für den, wiederum politisch gewollten, Ausstieg aus der Braunkohlenförderung sein. Aber auch Dienstleister und Zulieferbetriebe mussten sich diesem Wandel anpassen. Verständlicherweise sank mit der Reduzierung der Bergwerke und der Förderung auch die Nachfrage nach Bergbauspezialarbeiten wie sie von THYSSEN SCHACHTBAU angeboten werden. Da zu diesem Zeitpunkt auch die Nachfrage anderer inländischer Bergbaubetreiber nach entsprechenden Dienstleistungen zurückging, war dies ein Auslöser für THYSSEN SCHACHTBAU, sich noch intensiver im Ausland zu engagieren, um das Geschäft auch weiterhin auf eine wirtschaftlich tragfähige Basis zu stellen.

Die mit der Politik ausgehandelte rückläufige Belegschaftsentwicklung der RAG mit dem Ziel der Einstellung der Förderung bis Ende 2018 führte dazu, dass für die zu bewältigenden Arbeiten in den noch aktiven Bergwerken bzw. im Rahmen des Rückbaus und der Schließung von Standorten nicht immer ausreichend eigenes Personal vorhanden war. Diese Lücke konnte und kann bis zum heutigen Tag u. a. durch Dienstleister geschlossen werden. So war THYSSEN SCHACHTBAU beispielsweise bereits im Jahr 2000 auf dem Bergwerk Westfalen mit der Verfüllung der Schächte 1, 2, 6 und 7 beauftragt. Aber auch in jüngster Vergangenheit kann sich die RAG auf die Unterstützung durch Bergbauspezialdienstleister verlassen. Die Schächte 8 und 9 des Bergwerks Auguste Victoria wurden im Jahr 2016 bereits mithilfe von THYSSEN SCHACHTBAU verfüllt, die Schächte 3 und 7 folgen im Jahr 2019.

Das von der RAG verfolgte Konzept der Grubenwasserhaltung sieht für das Ruhrgebiet die Möglichkeit vor, auch nach Beendigung des Steinkohlenbergbaus das untertägig anstehende Grubenwasser kontrolliert nach über Tage zu pumpen, um eine Vermischung mit Grundwasser auszuschließen. Dafür ist geplant, das Grubenwasser langfristig auf ca. 600 m Teufe ansteigen zu lassen und dann an sechs Standorten sowie sieben Reservestandorten nach über Tage zu pumpen. Wird das Grubenwasser bisher noch von unter Tage installierten Pumpen nach über Tage gefördert, soll bis zum Jahr 2021 der Umbau zur sogenannten Brunnenwasserhaltung erfolgen. Die Pumpen werden dann von über Tage in den ausgewählten 13 Standorten in die Schächte eingehängt und fördern als Tauchpumpen aus 600 m Teufe das Wasser nach über Tage. Dies hat den Vorteil, dass es nicht mehr erforderlich ist, umfangreiches Grubengebäude nur für den Zweck der Wasserförderung aufrechtzuerhalten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die besagten Standorte dafür vorbereitet und umgebaut werden. So müssen neben der Förderung auch wesentliche Schachteinbauten geraubt und im entsprechenden Zielhorizont das Widerlager für die Verfüllung errichtet werden. Schließlich müssen im Rahmen der Verfüllung die Hüllrohre eingebaut werden, in welche später die Tauchpumpen abgelassen werden. Diese Umbaumaßnahmen erfordern einen planerischen, personellen und maschinellen Aufwand, der so nicht mehr vollständig durch die RAG erbracht werden kann, sodass auch hier eine enge Zusammenarbeit zwischen RAG und Dienstleistern wie THYSSEN SCHACHTBAU erfolgt, um den anspruchsvollen Zeitplan dafür einzuhalten. Zu nennen sind hier beispielsweise die Standorte Auguste Victoria 3/7, Zollverein Schacht 12 oder Haus Aden Schacht 2, wo THYSSEN SCHACHTBAU die RAG bereits unterstützen darf. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch die 1.800 m lange Auffahrung des sogenannten Grubenwasserkanals zwischen dem Bergwerk Prosper-Haniel und dem ehemaligen Bergwerk Möller-Rheinbaben. Die im Herbst 2015 begonnene und Mitte 2018 fertiggestellte Strecke hat einzig die Aufgabe, die später einmal anstehenden Grubenwässer unterirdisch von Möller-Rheinbaben durch Prosper und über Hünxe bis nach Lohberg zu leiten, wo sie schließlich nach über Tage gepumpt werden. Der Grubenwasserkanal stellt somit die letzte Streckenauffahrung im deutschen Steinkohlenbergbau dar und diente schon nicht mehr der Aus- und Vorrichtung, sondern der zukünftigen Grubenwasserhaltung.

Im Jahr 2017 ist die RAG den Weg gegangen, erstmals die Betriebsführung eines ganzen Standorts sowie die Vorbereitung zum Umbau zur Brunnenwasserhaltung zu vergeben, ein absolutes Novum im deutschen Bergbau. Im Saarland wird der noch verbliebene Teil des ehemaligen Bergwerks Ensdorf durch eine Arbeitsgemeinschaft von THYSSEN SCHACHTBAU und STEAG Technischer Service betrieben. Dies ermöglicht der RAG, die nötige Personalanpassung bei gleichzeitiger Gewährleistung aller am Standort Duhamel und Nordschacht erforderlichen Arbeiten durchzuführen. So betreut die Arge nicht nur den übertägigen Bereich, sondern auch das Grubengebäude inklusive Schacht Duhamel, Barbarastollen sowie die noch unter Tage befindliche Grubenwasserhaltung. Die überaus erfolgreich zurückgelegten eineinhalb Jahre haben gezeigt, dass dies ein gangbarer Weg ist, um einerseits alle erforderlichen personellen und strukturellen Anpassungen seitens RAG durchzuführen, gleichzeitig aber auch die Verantwortung für Rückbau und Umbau eines ehemaligen Bergwerks erfüllen zu können.

In den vergangenen 50 Jahren hat die RAG als einer der größten Arbeitgeber in den Revieren an Ruhr, Saar und Ibbenbüren stets eine herausragende Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Regionen übernommen. Durch viel Fleiß und Umsicht ist es gelungen, den von vielen Menschen bedauerten und mitunter schmerzhaften Anpassungsprozess im deutschen Steinkohlenbergbau seit den 1970er Jahren bis zum heutigen Tag überaus erfolgreich zu leiten. Waren in Deutschland im Jahr 1970 in allen Revieren noch über 250.000 Mitarbeiter in über 50 Betrieben beschäftigt und förderten über 110 Mio. t Steinkohle, werden in den nächsten Jahren nur noch einige Hundert Mitarbeiter damit beschäftigt sein, an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren die noch bestehenden Standorte zurückzubauen, dauerhaft zu verwahren und für die Grubenwasserhaltung herzurichten.

Wir bedanken uns, dass wir die RAG in den vergangenen 50 Jahren begleiten durften und wünschen für die noch bevorstehenden Aufgaben viel Erfolg und Bergmannsglück.

Glückauf!
Dr. Axel Weißenborn


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